Mit Lebensfreude im hohen Norden

Estland ist der Insider-Tipp für Feinschmecker

Die Esten sind bekannt für ihre deftige Küche, die sie durch den kalten Winter bringt. Aber längst hat sich in dem kleinen Land eine Gourmet-Szene entwickelt, die Kritiker zu Begeisterungsstürmen hinreißt. Und in den Wäldern, Feldern und Gärten reift vitaminreiches Superfood.

Feinschmecker willkommen: Restaurant Lee in der Altstadt von Tallinn.
Foto: Visit Estonia

Esten möchten immer wissen, woher ihr Essen stammt. Deshalb bewirtschaften selbst viele Stadtbewohner ihren eigenen Garten. So verbindet sich hier die Liebe zum Lokalen aufs Köstlichste mit dem Sinn fürs Saisonale. Prägend für die estnische Küche sind zudem skandinavische und deutsche Einflüsse.

Fotogene Esten: besonders schön anzusehen in traditionellen Trachten.
Foto: Heiko Kruusi/Visit Estonia

Kein Wunder also, dass auch Brot und Bier hier einen besonderen Platz einnehmen. Das dunkle estnische Schwarzbrot wird am liebsten mit gesalzener Butter belegt und mit Zwiebelringen oder Ostseehering gegessen. Die jungen Bierbrauer mischen Rezepte der uralten Biertradition mit neuen Zutaten wie Wachholder, Roggen oder Moos.

Purer Genuss: Fisch aus der Ostsee mit Salat aus dem Garten.
Foto: Renee Altrov/Visit Estonia

Super Food aus Wald und Flur

Estnische Superlebensmittel stammen frisch von den Wäldern und Feldern und sind reich an Vitaminen und Heilkraft. Noch bevor die ersten Knospen den Waldboden durchbrechen, zapfen die Esten Birkensaft, um daraus Sprudel herzustellen. Frisch und günstig kommen in Estland aus dem Wald die Pfifferlinge. Und auch die süßen estnischen Heidelbeeren reifen in der Gesellschaft des Waldes.

Super Food: Beeren frisch aus dem Wald.
Foto: Karl Ander Adami/Visit Estonia

Zu den populären Beerensorten gehört aber auch die Superfrucht Johannisbeere mit ihrem hohen Vitamin-C-Gehalt, die unter süßen Streuseln als Crumble auf den Tisch kommt oder auch als Vitaminbombe im Salat. Apropos Heilkräfte: Ein ebenso gesundes wie typisch estnisches Getreide ist Buchweizen, das auch in der Volksmedizin benutzt wird, und die beliebten, saftigen Rote Bete stärken Immunsystem und Stoffwechsel.

Restaurant Lendav Taldrik im Telliskivi Kreativcampus in Tallinns Hipster-Viertel Kalamaja.
Foto: Rasmus Jurkatam/Visit Estonia

Gourmetglück im ganzen Land

„Estlands Restaurants-Szene entwickelt sich rasant", sagt Aivar Hanson vom „White Guide“, einem Online-Restaurant-Portal mit Fokus Nordeuropa. An der Spitze im estnischen Ranking 2022 steht das 180° Degrees von Matthias Diether in Tallinns angesagtem Stadtteil Noblessner. Platz zwei geht an das Restaurant des Fotomuseums Fotografiska. Ein Klassiker für Feinschmecker ist mittlerweile das Restaurant Alexander im Gutshof Pädaste auf der Insel Muhu, das 2022 Platz drei einnimmt. Der vierte Platz geht ans Restaurant Lee in der Altstadt von Tallinn. Weitere White-Guide-Restaurants auf der Estland-Website.

Gut zu wissen: Feinschmecker können sich auf extra günstige Preise freuen. Für einen Fünf-Gänge-Festschmaus in Tallinn etwa zahlt man nur halb so viel wie in den meisten europäischen Hauptstädten.

Draußen schmeckt’s am besten: Sommerhaus auf der Insel Muhu.
Foto: Aron Urb/Visit Estonia

Soul Food vom Gutshof

Ein kulinarisches Erlebnis sind die urigen, traditionellen Restaurants, in denen heute noch gekocht wird wie zu Uromas Zeiten. Hier gibt es das wahre Soul Food, zum Beispiel im Gutshof Palmse im Lahemaa-Nationalpark. Da schmoren herzhafte Spezialitäten wie der Sauerkrauteintopf Mulgikapsad in den Töpfen, und im Regal stehen Gläser mit marinierten Pilzen und Beeren-Chutneys. Viele Restaurants interpretieren die traditionelle Hausmannskost mit einer neuen Leichtigkeit und verwenden alles, was die Natur so hergibt: essbare Blüten etwa, frisch gepflücktes Moos oder junge Tannenbaumknospen. Die Liebe zur Natur geht eben auch durch den Magen.

Sinnliche Traditionen mit Prädikat
Als besondere Schätze anerkannt hat die Unesco nicht nur Tallinns Altstadt, sondern auch die Kultur der Insel Kihnu, wo die alten Trachten noch heute zur Alltagskultur gehören, die Rauchsaunen der Region Võrumaa in Südestland, die Sänger- und Tanzfeste sowie der Leelo-Gesang der Setukesen.
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