Fernbus-Markt

Deutsche Touring ist pleite

Der Preiskampf auf dem Fernbus-Markt fordert das nächste Opfer. Deutsche Touring/Eurolines hat am Montag Insolvenz beantragt. Noch vor kurzem hatte das Unternehmen eine große neue Kooperation verkündet.

Firmenzentrale von Deutsche Touring/Eurolines in Eschborn bei Frankfurt.
Foto: fvw/Tobias Pusch

Der 1948 gegründete Fernbus-Anbieter Deutsche Touring/Eurolines ist insolvent. Wegen drohender Zahlungsunfähigkeit trat die ehemalige DB-Tochter mit derzeit 123 Mitarbeitern den Gang zum Amtsgericht an. Das teilte am Montag ein Sprecher des vorläufigen Insolvenz-Verwalters Miguel Grosser mit. Die Firma wolle sich nun neu aufstellen, um auch künftig in der Branche bestehen zu können, der Geschäftsbetrieb solle vorerst weiterlaufen.

Ein Anteil von 2,8 Prozent an den angebotenen Sitzplatz-Kilometern reichte den Eschbornern zuletzt, um Platz 2 im deutschen Fernbus-Markt zu belegen. Platzhirsch ist unumstritten Flixbus mit 90,8 Prozent, auf Rang 3 liegt Deinbus mit 2,1 Prozent. Deutsche Touring/Eurolines bietet vor allem internationale Verkehre an, die bereits vor der Liberalisierung des Marktes zugelassen waren. Auf der Suche nach mehr Kundschaft hatte das Unternehmen zuletzt auf eine neue Partnerschaft gesetzt. Gemeinsam mit Deinbus wurde eine Vertriebsgemeinschaft vereinbart, eine Integration des Streckennetzes sollte folgen.

Im Gespräch mit der fvw hatte Frank Bodlak, Commercial Director und Deutschland-Statthalter des internationalen Unternehmens, noch im Februar die verschärfte Wettbewerbslage thematisiert: „Flixbus ist ja nicht nur in Deutschland aktiv, sondern versucht, in ganz Europa zu expandieren. Also in unserem Kerngeschäft.“ Schon da hatte er mit Linienzusammenlegungen auf den Kostendruck reagiert, „aber das ist natürlich immer auch ein etwas heikles Thema.“ Fakt sei, dass sich das Geschäft seit der Liberalisierung stark verändert habe, vor allem hinsichtlich der erzielbaren Margen. „Die Preise sind um ein Drittel eingebrochen“, so Bodlak.

Allerdings zollte er dem Mitbewerber auch Respekt: „Flixbus hat in vielen Bereichen gute Lösungen angeboten, das haben die Kunden honoriert. Wir müssen da teilweise noch aufholen, beispielsweise beim einfachen Umtausch von Tickets.“ Die massiven Finanzspritzen, mit denen Flixbus sein Wachstum finanziert hat, betrachtete Bodlak nicht als unmoralisch oder wettbewerbsverzerrend: „Wenn das Geld uns angeboten worden wäre, hätten wir es ja auch genommen.“ (TOP/dpa)

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